Liebe Sportler, Trainer, Eltern, Betreuer und solche die es werden möchten..
Als DBS Sportärztin der Abteilung Radsport fühle ich mich in erster Linie für die Gesundheit der Teammitglieder und die Freude an möglichst verletzungs- und krankheitsarmem Sport verantwortlich. Da körperliches und seelisches Wohlbefinden die wichtigsten Grundvoraussetzungen für das Erbringen sportlicher Höchstleistungen sind, ist die Gesundheit für einen Leistungssportlers ein besonders hohes Gut. Im Behindertensport ist dies sogar besonders bedeutsam, da behinderungsbedingte körperliche Defizite so gut wie möglich kompensiert werden müssen.
Für einen langfristig erfolgreichen Trainingsaufbau ohne wesentliche Krankheits- oder Verletzungsfälle ist eine ausgewogene Ausbildung der Rumpf- und Extremitätenmuskulatur anzustreben. Um auch intensive Trainingsbelastungen problemlos wegzustecken ohne das Immunsystem nachhaltig zu schwächen, ist eine gute Grundlagenausdauer und eine ausgewogene, vitamin- und ballaststoffreiche
Ernährung sehr wichtig. Auch wenn die große Bedeutung dieser Aspekte in der täglichen Trainingsroutine nicht immer offensichtlich ist, sollten sie doch von Beginn der Trainingsplanung an unbedingt Berücksichtigung finden, um einen kontinuierlichen Leistungszuwachs nicht zu gefährden. Insbesondere außerhalb der Wettkampfperioden sollten Aspekte der allgemeinen Athletik, Ausgleichssportarten und Rumpfkrafttraining integrativer Bestandteil des Trainingsplanes sein.
Darüber hinaus sollten sich alle Sportler und viel reisende Betreuer regelmäßig um Krankheitsprophylaxemaßnahmen kümmern. So sollten alle über ihren Impfstatus informiert sein. Ich empfehle dringend, sich mindestens einmal jährlich mit dem Hausarzt über die aktuellen Impfempfehlungen und den eigenen Impfschutz auszutauschen. Allen Nicht-Kaderathleten sei zu regelmäßigen sportmedizinischen Gesundheitsuntersuchungen geraten. Alle Kaderathleten werden diesbezüglich mindestens einmal jährlich vom Verband oder dem Bundestrainer kontaktiert und zur sportmedizinischen Untersuchung eingeladen.
Es ist ein wichtiges Ziel unserer Abteilung, junge, engagierte, sportbegeisterte Behindertensportlerinnen für den Radport zu gewinnen und in unser Team zu integrieren. Dank der vielen, sehr erfolgreichen und erfahrenen Sportler in unserem Team, gelingt es uns bislang gut, talentierte Nachwuchssportler zu erkennen und diese frühzeitig in das Team aufzunehmen. In unserem großen Grundlagentrainingslager auf Mallorca besteht jedes Frühjahr die Möglichkeit ins Team „hineinzuschnuppern“ und mit den erfolgreichsten Behindertensportlern der Welt sowie medizinischen und sportwissenschaftlichen Experten des Teams in Kontakt zu kommen und so nachhaltig zu profitieren.
In diesem Zusammenhang ist es mir ein besonderes Anliegen, alle jungen Athleten und Athletinnen für das wichtige Thema Antidoping zu sensibilisieren, da wir in der Abteilung Radsport alles daran setzen, unsere bezüglich Dopingverstößen völlig „weiße Weste“ dauerhaft unbefleckt zu halten und zu beweisen, dass sportliche Höchstleistungen auch ohne unerlaubte Mittel und Methoden möglich sind.
Aufgrund der zunehmenden Professionalisierung ist eine frühzeitige Auseinandersetzung jedes Wettkampfsportlers mit den aktuell gültigen Dopingregularien selbst für Nachwuchs- und Breitensportler erforderlich. Namhafte Beispiele zeigen eindrücklich, dass wettkampforientierte Sportler heutzutage von gedankenloser Medikamenteneinnahme unbedingt Abstand nehmen müssen. Ebenso ist von bedenkenloser Einnahme frei verkäuflicher oder gar im Internet bestellter Nahrungsergänzungsmittel dringend abzuraten. Die sehr guten Internetseiten der Nationalen Antidoping Agentur NADA und des Institutes für Biochemie der Sporthochschule Köln informieren hervorragend über die aktuellen Richtlinien und mögliche „Fallstricke“. Auf der Homepage der NADA (www.nada-bonn.de) findet sich umfangreiches Informationsmaterial zur Verbotsliste, zum Ablauf einer Dopingkontrolle sowie zum korrekten Prozedere bei erforderlicher Medikamenteneinnahme. Da dies insbesondere im Behindertensport nicht selten der Fall ist hat auch dieser Aspekt im Behindertensport eine besondere Bedeutung. In der Abteilung Radsport verwenden wir sei 2008 einen eigens entworfenen Gesundheitspass, der den behandelnden Ärzten einen schnellen Überblick über die Grunderkrankung, den Impfstatus, den Stand der sportmedizinischen Gesundheitsuntersuchungen sowie die laufende Medikamenteneinnahme ermöglicht und den Sportler vor unwissentlichem Gebrauch dopingrelevanter Medikamente schützen soll. Dieses Dokument sollte daher von allen Sportlern ausgefüllt und bei jedem Arztbesuch sowie in sämtlichen Trainingslagern und bei Meisterschaften mitgeführt werden. So werden alle beteiligten Ärzte direkt auf die Besonderheiten bei der medizinischen Behandlung des Sportlers unter Berücksichtigung der Dopingliste hingewiesen. Die nützlichen Informationsmaterialien und Internetlinks, die im Pass enthalten sind erleichtern außerdem die korrekte Behandlung. Dies ist leider nicht immer trivial, da einige, zum Teil auch frei verkäufliche Medikamente Zusatzstoffe enthalten, von denen auch vielen Allgemeinärzten nicht bekannt ist dass sie –z B als Verschleierungsmittel – auf der Dopingliste stehen. Von der NADA wird eine jährlich aktualisierte „Beispielliste zulässiger Medikamente“ veröffentlicht, die ebenfalls auf der Homepage der NADA heruntergeladen werden kann. In dieser findet sich für nahezu jedes gängige Krankheitsbild eine umfangreiche Auflistung unbedenklicher Medikamente, so dass von den behandelnden Haus- oder Fachärzten ein passendes Medikament ausgewählt werden kann. Ich empfehle dieses Dokument auszudrucken und in den Gesundheitspass einzulegen. Als Sportler solltet ihr dann unbedingt bei jedem Arzt- und Krankenhausbesuch auf die Besonderheiten der Behandlung als Wettkampfsportler hinweisen und dem behandelnden Arzt bei Bedarf diese Liste vorlegen.
Die Dopingliste wird jährlich aktualisiert und in der neuen Fassung Ende Dezember auf der Homepage der NADA veröffentlicht. Jeder Sportler sollte sich also zu Beginn des neuen Kalenderjahres über relevante Änderungen der Richtlinien informieren.
Ich möchte als letztes außerdem noch auf die Online- Medikamentenabfrage der NADA hinweisen. Auf der Basis einer großen Medikamentendatenbank, bietet die so genannte „NADAMED“ die Möglichkeit Wirkstoff- oder Präparatenamen einzugeben und direkt auf ihre Dopingrelevanz zu überprüfen.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein erfolgreiches, krankheits- und verletzungsfreies Jahr 2010!!
Für alle weitergehenden Rückfragen stehe ich gern per E-Mail zur Verfügung.
Dr. A. Hirschmüller
Uniklinik Freiburg, Department Orthopädie und Traumatologie